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wieso sollte ein text keine artischocke sein?

dass man es nicht nötig findet, zu argumentieren, warum die spex so wichtig ist

dass man hier also erzählen wollte, warum man das so liebt

dass die idee, eine andere welt zu denken damit, was man zufälligerweise sonst noch gut findet, popkultur, theorie, you name it, zu verbinden auch heute noch zumindest eine gute entschuldigung ist, das eigene scheitern leidenschaft zu nennen

dass man mit sprache das alles machen kann. dass es diese arten über musik zu sprechen gibt, dass du dir zwei, drei hefte kaufen kannst und du kannst das lernen, und dann haut dich der leitartikel doch noch um ästhetik ist politik ist gesellschaft und dann mäandert der textstrom halt doch woanders hin, zum beispiel, du kriegst das nicht scharf

dass schrift alleine schon schön ausschauen kann

dass du eine ersatzfamilie kriegst natürlich auch (wie in den jö-heften immer kritisch zu take that angemerkt wurde, dass ein bißchen schwärmen schon ok ist, so lange nicht ganz der bezug zur realität abhanden kommt und jetzt sagen wir, realität ist auch nur, woran du dich hälst, weil sie es dir sagen)

dass alles was die da dagegen sagen das zugehörigkeitsgefühl nur stärkt. call it differenzdenken call it distinktionsbedürfnis call it versnobten elitärismus, wir nennen das denen ihr spiel nicht mitspielen. den code kannst du verstehen oder nicht, das ist demokratie, langweilig wird sie nie und irgendwo muss man doch dagegen sein, und wenn es nur zum zeitvertreib ist

dass das gejammere aberjafrüher aberjasounds aberjadaszwingendewoistesgeblieben natürlich mitgejammert sein muss (dass jammern hier übrigens schicker aussieht)

dass das alles wo? natürlich? in der spex selber schon steht, seite 08, überschrift wie hier
mauszfabrick am 11.6.05 23:04


Die Überschrift ist dann immer die Textzeile, die gerade läuft, wenn ich fertig bin und es ausdrucken will. ("I wanna hold you, wanna hold you tight, yeah")

Zuerst sind da natürlich immer die kleinen Zettelchen, die unverständlichen Notizen vom Vorabend. Die Ideen, so könnte es gehen. Am besten natürlich, wenn man aufwacht und unverständliche Kürzel auf der Hand hat: "f raus wie bei k für n-txt und mehr präsens"

Instimmunglesen und -schreiben: nie im Leben.

Dann ist überraschenderweise der Editor viel besser als Word, am allerbesten aber ein Eingabefenster wie hier. Webmaileingabefenster sind auch ganz gut. Ich weiß es doch auch nicht, warum das so ist. Da jedenfalls kommt das alles so schnell wie möglich hin. Zu dem Zeitpunkt ist alles Formale/Inhaltliche im Großen schon klar, teils aus Notizen, teils aus Kopf. Frage ist nur, wie das im einzelnen jeweils machen, was zu machen ist. Dazu MUSS Mucke laufen, und natürlich nur deutschsprachige. Dann kann ich eh nur mehr hoffen.

Erstmals Kaffee holen, austrinken.

Durchlesen, wird was, oder nicht.

Wenn nicht, ist Radfahren gut.

Jedenfalls, ganz neu anfangen mag ich nie. Lieber ganz lassen, für später lassen. Also nächster Tag/nächste Woche/nächstes Leben dran rummurksen. Oft sieht man dann, das geht schon so. Das ist irgendwie doch ganz ok. Ich mag meine immergleichen Fehler eh ganz gern. Da kann man weiterarbeiten. Wenn man Radfahren war, hat man eh schon gesehen, wie es gehen müßte.

Oft sieht man dann natürlich, so geht es zwar nicht, aber anders geht es auch nicht. Dann bringt das längste Murksen nichts, dann lieber weiter lernen, lernen popernen.

Überhaupt grundsätzlich aber finde ich jedenfalls sowieso jede Art des Murksens Quatsch. Entweder geht es beim ersten Anlauf oder nie. Und es kann ganz sicher nur in einem Rush-Anlauf gehen, alles andere ist LügenStückwerk. Und es kann nur SOFORT gehen. Abstand ist Unfug. Entweder ich mach die Idee gleich oder ich mag sie später nie mehr machen. Das ist doch alt, geh weg, Altes.

Ansonsten, also wenn es nur wenig genervt hat beim Durchlesen, nachdem es fertig ist, drei Viertel rauskürzen. Alle Attribute und allen anderen Verziehrungsscheiß streichen. Jeden Satz nochmal kürzer machen. Überprüfen, ob jeder Satz mit Ich anfängt und Präsens ist. Ausdrucken und dreimal durchlesen. Erste zweimal: Orthographie und Zeichensetzung. Drittesmal: Ist das das, was ich wollte.

Wenn ja, wegmailen*, wo es hingehört, vergessen und weitermachen.
_____________
*Beste Rückmeldungen bisher:
- Du solltest die Texte für Wirsindhelden schreiben. Wirklich.
- Das hast du schön herausgearbeitet, was wir eigentlich alles wissen über Konsumieren.
- ihre erfahrungsebene konnte mit sprache/schreiben nicht übermittelt werden: das ist der knackpunkt. warum ist ihnen das nicht gelungen?

Ich weiß bei sowas nie, bin ich oder ihr verrückt. Ist doch nicht meine Schuld, dass ihr mich nicht versteht, oder eben schon.
mauszfabrick am 5.12.04 11:37


es gibt dinge im leben, die bereut man danach:
man kauft sich schuhe die man maximal drei mal trägt und dann draufkommt dass sie eigentlich scheisse aussehen und ausserdem eh nicht passen, man kauft sich kleider die im getrübten h+m spiegel supertoll aussehen und zuhause kommt man dann drauf dass man aussieht wie eine knachwurscht, man bereut das letzte bier von dem man eh nur ein paar schluck nimmt weil man mehr nicht mehr schafft, man bereut dass man nicht früher heimgegangen ist, man bereut zu wenig gelernt zu haben, man bereut dinge gesagt zu haben, dinge getan zu haben.
pech gehabt, sich ärgern bringt sowieso nichts: die schuhe nimmt kein geschäft der welt zurück, das gewand auch nicht, das bier kann man verschenken und die zeit kann man sowieso nicht zurückdrehen.
dann gibts grössere entscheidungen die man bereuen kann:
schulwahl, studiumswahl etc.
da hilft dann ein bisschen zweckoptimismus, man redet sich ein dass es ja doch sinnvoll war, und weiter gehts.
und dann wiederum gibts dinge, die man unter den teppich kehren will, die dort für immer bleiben sollen:
die doofe frisur damals, die menschen die sich freunde schimpften, die burschen in die man sooo verliebt war und zu guter letzt, und meiner meinung nach am wichtigsten: die musik die man hörte.
verachtet hab ich sie. gehasst.
und dann: ferienlager in königswiesen und ein monat später war ich ihr verfallen: der kelly family.
sie waren damals schon out, fans gab es nur mehr weniger, die, die sie mal mochten bevorzugten jetzt die backstreet boys und caught in the act, und die wenigen die noch übrig waren wurden mindestens drei mal in der woche verdroschen.
von 11-13 dauerte diese phase, und wärend gleichaltrige (laut bravo) ihre ersten kinder gebaren, träumte ich von den kelly-buben.
ich sammelte alles.
es ging über das normale sammeln heraus, nein, nicht nur alle CDs und poster, sondern auch: bootlegs, live videos, photos etc.
alles wurde getauscht, gesammelt, gekauft.
und weil man ja als treuer fan auch sein zimmer austapezieren muss, kaufte ich mir auch immer die bravo wenn gerade ein plakat oder ein artikel über die kellys drin war.
die bravo.
das bravo.

das erste mal hielt ich es mit 9 jahren in den händen, als ich dazu verdonnert wurde mit meiner cousine (generationenverschiebung!) und ihren kindern, die in meinem alter waren, zum millstättersee zu fahren.
damals wie heute sehr der heimat zugetan litt ich natürlich sehr unter der trennung von meinem lieben innsbruck und so weinte ich mich jeden abend in den schlaf, was mir natürlich sehr peinlich war, da die anderen gleichaltrigen alle harte säue waren die vermutlich noch nie was von heimweh oder sonst was in die richtung gehört haben.
typischer fall von abgehärteten scheidungskindern würd ich heute sagen aber egal, die letzten zeilen nur als kleiner hinweis was ich für ein würschtl mit 9 war.
wo war ich?
achja, bravo:
mit 9 das erste mal gelesen und, klassiker!, so hat es natürlich
zu meiner aufklärung beigetragen:
liebe sex und zärtlichkeit wo 12 jährige um rat fragen weil sie versehentlich mit dem grossen bruder geschlafen haben (ist wirklich vorgekommen!), 9 jährige ihren eltern nicht sagen wollen dass sie seit 3 jahren menstruieren, 11 jährige in den lehrer verliebt sind und meinen, dass es ihm gleich geht, etc. pp.
das dr. sommer team die ähnliche fragen beantworten, die rubrik "mein erstes mal" wo 13 jährige vom ersten sex im ferienlager erzählen und natürlich die seite wo sich hässliche deutsche jugendliche nackt ablichten lassen und über ihre sexuellen vorlieben erzählen.
ausserdem: die bravo charts, die unnötige in und out liste, poster, artikel über boybands und mies übersetzte songtexte (der meinung war ich damals schon!).
also wenn wir uns ehrlich sind bis auf die sex sachen eigentlich uninteressant.

ich glaub\' ich fand das bravo damals schon blöd, kaufte es mir aber eben wegen der kelly family.
(vielleicht fand ich es auch nur deshalb blöd, weil meine schwester es blöd fand)
besser eben: das topic.
wo aufklärungsmässig auch ein bisserl was geschieht, aber nicht so mit der holzhammermethode, ohne bilder die an pornomagazine erinnern, alles eben pädagogischer und intelligenter, fast alles interessant, buchtips, musiktips, kinotips, alles in allem eben hochwertiger.


ob ich ohne lektüre der/des bravo(s) ein besserer mensch wäre?
ich weiss es nicht, und stecke dieses bereuen in die zweite kategorie: mit ein bisserl zweckoptimismus is alles wett zu machen.
hoff ich zumindest.
fraumorgenstern am 10.6.04 13:25


Wer so denkt, kennt sich mit Jungsein nicht aus,

Nie Bravo gelesen, nie eine gekauft. Maximal im Bus auf der Fahrt in Schulschikurs über die Rücken der Allercoolsten. Sonst nie. Kindheit und Jugend natürlich trotzdem beschissen, furchtbar und traumatisch, es hat mir sozusagen also dann auch wieder an nichts gefehlt. In welchem Maß ich jetzt noch nicht ganz normal bin und ob das nicht auch auf andere Einflüsse zurückzuführen wäre, liegt außerhalb meines Ermessens, aber gut, wer ist schon morgens schön.

Trotz dieser erschütternden Biographie, eben schon immer etwas hinter, neben, zwischen und unter den Stühlen und Schuhen, ist natürlich für eine gesunde Entwicklung gleich nach genügend Folsäure genügend Bravolesen extrem unabdingbar. Meine lausigen Methadone waren halt Junior (kennt das noch wer?), Spatzenpost, Junges Volk, JÖ & Topic. Was noch nichtmal Dissidenz gegen Bravo-Dissidenz war, sondern einfach Fehlen von sämtlichem Verständnis. Das ist zwar peinlich, aber leider so gewesen. Ich habe meine Seele dann eben etwas später an den Teufel Rock and Roll verkauft. Darum geht es aber wohl auch gar nicht.

In eckigen Klammern: Ich rede hier nicht vom diesem pubertären Aufbegehrensgestus, der auch anders oder gar nicht gut durchzuführen ist. Das System zerhauen kannste auch ohne die besten Flirttips für den Sommer. In geschlungenen Klammern: Aufbegehren gegen nonkonforme Links-Linke-Hippie-Eltern geht mit Bravo&YM&etc.-Konformität, mit dem ganzen Gender-und-der-ganze-Rest-role-model-Rattenschwanz.

Es geht mir vielmehr um den Schritt, den die Bravo wohl darstellt. Als Nichtleser will/kann ich gar nichts Inhaltliches gegen oder für Bravo sagen, ich glaube ja nur, dass es Scheiße ist. Natürlich würde ich meine Kindern auch lieber Judith Butler und Christiane Rösinger anvertrauen als dem Dr.Sommer-Team und East 17 & NKOTB. Aber die würden die halt zu Recht scheiße finden. Nur wie gesagt: Darum geht es nicht. Später liest man dann eh brav Spex und Jetztmagazin. Aber sich vorher komplett zuzumüllen, ist ein unabdingbarer Schritt, dahin zu gelangen. So wie man auch nie genug Fernsehen kann. Eben weil es wohl nichts wichtigeres gibt, ist es extrem wichtig, Zeitschriftenlesen und Fernsehen zu lernen. Und das lernt man nur mit Zeitschriftenlesen und Fernsehen. Vielleicht wäre es eine bessere Welt, wenn die erste Zeitschrift nicht die Bravo, sondern die taz wäre. Aber weil die Welt böse ist, muß das Böse Buch Bravo gelesen werden. Und wir lesen es gern.


mausfabrick am 28.5.04 12:30


neues topic:

bravo lesen:
in der pupertät wichtig?
jetzt cool?

was soll man davon halten?

bitte, beginnen Sie!
fraumorgenstern am 24.5.04 12:34





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